Licht – Teil 1: Warum billige LEDs teure Kunst ruinieren
Warum dein Print zuhause anders aussieht
Du stehst in der Galerie vor einem Bild. Die Farben sind brillant, die Tiefe atemberaubend. Das Blau im Meer so intensiv, dass du das Salz riechen könntest. Du kaufst den Print, freust dich tagelang darauf.
Dann hängst du ihn zuhause auf.
Und irgendetwas stimmt nicht. Das Blau wirkt grünlich. Die warmen Töne flach. Die ganze Magie – weg.
Meistens liegt es am Licht.
Was in der Druckerei passiert
Ein FineArt-Print wird unter speziellen Lampen abgenommen. Farbtemperatur 5000 Kelvin, Farbwiedergabeindex 98. Das ist der Standard. D50 nennt sich das. Normlicht.
Zuhause hängt eine LED-Leiste an der Decke. Farbwiedergabeindex vielleicht 80. Aber selbst wenn der CRI stimmt – viele LEDs haben einen Tint. Einen Farbstich. Manche ziehen ins Grüne, andere ins Rosa, wieder andere ins Magenta. Das liegt an der Phosphor-Beschichtung: Ist die nicht präzise abgestimmt, verschiebt sich das Spektrum. Zu viel Rot ergibt Rosa, zu wenig Rot bei zu viel Grün ergibt einen Grünstich.
Dein Print wirkt plötzlich verfärbt, obwohl er perfekt gedruckt ist. Es ist nicht der Print. Es ist das Licht.
Der Unterschied
Es ist wie mit billigen Kopfhörern. Die Bässe verschwinden, die Höhen klingen blechern. Technisch dieselbe Musik. Aber sie klingt anders.
Mit Licht genauso. Gutes Licht enthält alle Farben gleichmäßig verteilt – wie Sonnenlicht. Schlechtes Licht hat Lücken. Manche Farbtöne fehlen, andere sind zu stark. Und wenn genau die fehlende Farbe die ist, die dein Print braucht… Pech gehabt.
Das heißt Metamerie. Zwei Farben sehen unter gutem Licht identisch aus. Unter schlechtem Licht plötzlich völlig unterschiedlich.
Glühbirnen und Halogenlampen hatten ein durchgehendes Spektrum – alle Farben waren da, nur mit zu viel Rot. Leuchtstoffröhren hatten schon Lücken, aber gute Röhren erreichten CRI 90+. Heute dominieren billige LEDs mit noch größeren Spektrallücken und Tint-Problemen. Das Problem wird nicht kleiner, es wird größer.
Was kommt
In dieser Serie schauen wir uns an:
Das Spektrum – Was Licht eigentlich ist und warum 5000K nicht gleich 5000K bedeutet
Lichtquellen im Vergleich – Sonne, Glühbirnen, LEDs (und Leuchtstoffröhren, wo sie noch verbaut sind)
Die Zahlen verstehen – D50, CRI, Tint, TM-30
Praxis FineArt-Druck – Softproofing, Druckabnahme, Papierweißpunkt, optische Aufheller
Beleuchtung für Zuhause und Galerie – Welche Lampen funktionieren, welche Kompromisse okay sind
Konservierung – UV-Schäden, Ausbleichen, Schutz für deine Prints
Am Ende wirst du verstehen, warum Licht so wichtig ist. Und du wirst anders über die Beleuchtung deiner Prints denken.
Glossar: Licht und FineArt-Druck
Glossar zur Miniserie über Licht im Bereich FineArt Druck.
Alle wichtigen Begriffe zusammengefasst.
